Jul 182016
 

Seit 2012 führen Christine und Siegfried Haidinger gemeinsam mit ihren 3 Kindern den Familienbetrieb nach den Richtlinien der biologischen Wirtschaftsweise Die Familie bewirtschaftet 26 ha Ackerland, Wald & Wiesen. Ausschlaggebend für den Wechsel auf Bio war unter anderem ein Kurs für ein Bodenbearbeitungsgerät namens „Eco-Dyn“, mit dem man die Felder bodenschonend bestellen kann ohne Pflügen zu müssen. Dies kommt vor allem den im Boden lebenden Mikroorganismen zu Gute, da diese je nach ihren Bedürfnissen in unterschiedlich tiefen Bodenschichten leben. So finden sich in den oberen Schichten Mikroorganismen, die viel Sauerstoff zum Überleben benötigen und weiter unten jene, die mit weniger auskommen. Wird der Boden gepflügt, man spricht dabei auch von wendender Bodenbearbeitung, so wird die sensible Schichtung der Mikroorganismen sozusagen auf den Kopf gestellt, das Bodenleben stirbt teilweise ab und kann somit nicht mehr für die Bereitstellung der pflanzennotwendigen Nährstoffe dienen.

2016-07-03 15.14.58Für Familie Haidinger war es sehr schnell klar: „Wenn wir Wert auf die Bodengesundheit legen, dann dürfen wir die Bodenorganismen auch nicht weiter mit Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel), Fungiziden (pilzabtötende Mittel) und Insektiziden (Schädlingsbekämpfungsmittel) schwächen.“ So entschlossen Sie sich für die biologische Wirtschaftsweise, um nicht nur den Boden, sondern den gesamten Naturraum zu schützen, im Einklang mit der Natur zu leben und zu wirtschaften.

Neben ihrem Acker, auf dem sie Futter- und Speisegetreide, Ackerbohnen, Mais und Erdäpfeln anbauen zählen auch 348 Legehühner (Rasse: Lohmann braun) zur Familie, die in Kleinställen mit viel Grünauslauf untergebracht sind. 2016-07-03 15.48.21Die Legehennenküken werden in einer Brüterei nahe Schlierbach gekauft. Das Besondere daran ist, dass deren Bruderküken nach dem Schlüpfen weiterleben und gemästet werden und nicht, wie sonst branchenüblich, kurz nach dem Schlüpfen geschreddert oder begast werden. Damit Familie Haidinger ihre Eier auch außerhalb ihres Hofes, zum Beispiel an die Vorratskammer, vermarkten darf, wurde eine Eierstempelmaschine angeschafft und bei der Behörde ein Ansuchen auf die Zulassung als Eipackstelle gestellt, das zum Glück auch bewilligt wurde.

Unsere Exkursion führte uns unter anderem auf den Acker, wo 4 verschiedene Sorten Erdäpfel gedeihen, unter anderem die „alte“ Sorte Sieglinde, die man im Supermarkt eigentlich nicht mehr findet. Am Acker werden auch mehr al 15 verschiedene Gründüngungspflanzen angebaut, die den Boden mit ihrem Wurzelwerk lockern und nach dem Mulchen den Mikroorganismen als wertvolle Nahrungsquelle dienen. Gegen den Erdäpfelkäfer wird viel unternommen, aber nicht im herkömmlichen Sinne! Die Pflanzen werden nicht mit Pfalnzenschutzmittel gespritzt, aber durch den Erhalt der Bodengesundheit so weit unterstützt, dass sie gesund und vital sind und mit den Plagegeistern von selbst fertig werden. Die Erdäpfel werden im eigenen Kühllager über den Winter gelagert, damit bis ins Frühjahr Erdäpfel vorrätig sind.

Familie Haidinger betreibt auch aktiv Klimaschutz. Sie beteiligt sich am Projekt Kaindorf, das sich dem Humusaufbau auf Ackerflächen verschrieben hat. Weltweit wurden und werden leider noch immer durch Fehlbewirtschaftung tausende Tonnen CO2 durch Humusabbau freigesetzt. Nicht so auf den Ackerflächen der Familie Haidinger: Hier wird durch den Verzicht des Pflugs und durch die beschriebene Mulchtechnik jährlich Humus aufgebaut und somit CO2 im Boden gespeichert.

2016-07-03 15.34.12Viele innovative, außergewöhnliche Methoden werden auf dem Betrieb Haidinger ausprobiert und angewandt. So wird zum Beispiel Bokashi erzeugt, das ist ein spezielles Kompostiersystem, indem organischer Dünger unter Luftabschluss hergestellt wird, der wiederum auf die Felder ausgebracht wird.

Zuletzt probierte sich Siegfried Haidinger an der Konstruktion einer Wärmerückgewinnung im Komposthaufen. Dazu wurde ein riesiger Komposthaufen mit darin eingegrabenen Rohren angelegt („Kompostreaktor“). Die im Kompost entstehende Wärme, soll dem Haufen über das Rohrsystem entnommen und der betrieblichen Heizanlage zugeführt werden. Noch wird an der Anlage getüftelt und bis dahin erfreut sich Familie Haidinger über das frische Gemüse, das auf dem Kompostreaktor wächst. Last but not least wird am Hof auch noch ein eigener Komposttee erzeugt. Einige Hände voll Kompost werden in große Wasserfässer gegeben und dieser mehrere Stunden mit Wasser gerührt. In dieser Zeit vermehren sich die Mikroorganismen des Komposts explosionsartig, wie der Germ im Germteig. Der fertige Komposttee wird auf die Felder ausgebracht, wo dessen Mikroorganismen ihre Arbeit im Boden sofort beginnen.
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Nachdem wir so viel Interessantes erfahren und gelernt haben, wurden wir von Familie Haidinger zum Abschluss auf eine herrliche Bio-Jause mit Kaffee und Kuchen eingeladen. In entspannter Hofatmosphäre ließen wir die Exkursion ausklingen und diskutierten noch die ein oder anderen interessanten Fragen.